Gemeinde Backstage

Backstage im Steueramt

Martin Schneeberger, Ladina Mayer und Lernender Marco Morell (v. l. n. r.) stellen das Steueramt vor.


Ladina Mayer, Sektionschefin und Frühaufsteherin, wirbelt schon um
7.15 Uhr durchs Büro. Um acht Uhr erklärt sie einer Anruferin, wie ihre Erbschaft zu deklarieren ist, beantwortet danach Fragen zur Quellensteuer per E-Mail – während an der Tür schon ein Besucher wartet, der dringend etwas zur Veranlagung seiner Liegenschaft wissen möchte. «Niemals gleich und immer Vollgas», bringt Ladina Mayer ihren Arbeitsalltag auf den Punkt. Man glaubt ihr sofort.


Liwia Weible


Hochsaison, und das durchgehend
Marco Morell, Lernender und derzeit auf dem Steueramt dazu: «Mich hat überrascht, wie vielfältig die Arbeit ist. Vorher dachte ich, dass sich alles nur um Steuererklärungen dreht.» Tatsächlich umfasst das Pensum des kleinen Teams neben den Veranlagungen der Einkommens- und Vermögenssteuern für Gemeinde, Kanton und Bund, viele zusätzliche Aufgaben wie: das Führen des Liegenschaftenregisters, Bearbeiten von Handänderungssteuern inklusive  Einspracheverfahren, Führen des Steuerregisters sowie interkommunale Veranlagungen. Dazu kommen Auskünfte – schriftlich, telefonisch oder am Schalter – zu Themen wie Wochenaufenthalte, Quellensteuern, Zweitwohnungen, Zuzug, Wegzug, Heirat oder Scheidung. 

Pro Jahr gehen rund 2’500 Steuererklärungen von unselbständig Erwerbenden ein, dazu kommen Selbständige und landwirtschaftliche Betriebe. Als wäre das nicht genug: «Jedes Jahr gibt es neue gesetzliche Änderungen oder Anpassungen, die man erstmal implementieren und korrekt umsetzen muss», so Ladina Mayer. Wie man das alles schafft? «Mit starken Nerven und viel Humor», sind sich alle drei einig. 

Auch wenn Ladina Mayer als ehemalige Bankerin eigentlich ein Zahlenmensch ist. «Manchmal muss ich auch ‹Seelsorgerin› sein», sagt die resolute Steuerchefin, die unter anderem auch Vorstandsmitglied im Verband der Gemeindesteuerämter und Allianzen des Kantons ist. «Hin und wieder braucht es ein offenes Ohr für Sorgen und private Fragen, die mit Steuern zu tun haben.» Dann zählt nicht nur Fachwissen, sondern auch Einfühlungsvermögen.


Digitale Lösungen auf dem Vormarsch
Teilzeitmitarbeiter Martin Schneeberger ist seit über 30 Jahren im Bereich Steuern tätig. Er erinnert sich etwas wehmütig an die physischen Steuerakten. «Die Handhabung machte früher viel mehr Spass, war aber um einiges aufwendiger, da fast täglich irgendwelche Akten per Post zugestellt werden mussten.» Doch die Digitalisierung hat auch vor dem Steueramt nicht Halt gemacht. Das aktuelle Steuerprogramm des Kantons befinde sich noch im Aufbau, was Kreativität erfordere, sagt er: «Doch ich bin beeindruckt, wie alle verwaltungstechnischen Zweige zunehmend in ein zentrales, digitales Register aufgenommen werden.» Die häufigste Frage, die er zu hören bekommt? Die Antwort kommt sofort: «Wie deklariert man das denn?»


Gewünschte Superkraft: Fehler finden
Was es braucht, um hier zu arbeiten, weiss Marco Morell. «Gewünschte Superkraft: Fehler finden. Da auf dem Steueramt sehr genau gearbeitet werden muss.» Ladina Mayer pflichtet ihm bei, «eine Null zu viel erfasst, und schon ist das Resultat ein völlig anderes.» 

Konzentration, Genauigkeit, Flexibilität und Menschlichkeit, all das gepaart mit einer guten Prise Humor. Wer das mitbringt, ist auf dem Steueramt richtig. Langeweile? In Samedan jedenfalls Fehlanzeige.

Über die Autorin

Sandra Linder