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Theaterstück mit letzter Aufführung in Samedan: “Die Gemeindeversammlung”

Wenn Oberflüeli nach Samedan kommt

Der Gemeindesaal in Samedan: Man kennt ihn von Abstimmungen, Budgetdebatten, langen Abenden mit vielen Traktanden. Am 26. September 2026 verwandelt er sich in die Bühne eines absurd-komischen Theaterstücks mit dem treffenden Namen «Die Gemeindeversammlung». Ein Theaterstück, so menschlich, dass der geneigte Zuschauer sich fragen wird, ob er lachen oder sprachlos den Kopf schütteln soll. Jede Ähnlichkeit mit wahren Begebenheiten ist natürlich rein zufällig.

Die Geschichte beginnt nicht in Samedan, sondern im Stadttheater Chur, wo «Die Gemeindeversammlung» dreimal gespielt wurde – dreimal ausverkauft. Dann folgte eine Vorstellung in Schaffhausen. Jetzt, zur Dernière, kommt das Stück dorthin, wo es am besten hinpasst: In unseren echten Gemeindesaal mitten im Dorf. Mit Johnathan Ferrari ubd Lorenzo Polin sind gleich zwei Samedner Schauspieler beteiligt. Regie führte der aus Celerina stammende Manfred Ferrari.

Wenn der Berg droht

Das Stück spielt in «Oberflüeli», einem fiktiven Ort, der irgendwo in der Schweiz liegen könnte – vielleicht in Schaffhausen, vielleicht in Graubünden, vielleicht überall. Ähnlich wie dies in überdurchschnittlich schneereichen Wintern auch in unserer Umgebung der Fall sein könnte, bedroht ein Naturereignis apokalyptischen Ausmasses das Dorfleben Oberflüelis. Oder handelt es sich dabei etwa nur um einen politischen Winkelzug um die Dorfbevölkerung dazu zu bewegen, der politischen Elite zuzuspielen?

Das Stück ist absurd, witzig und an den richtigen Stellen auch ganz schön tragisch. Vielleicht auch, weil es uns so sehr an bekannte menschliche Abgründe erinnert…

Der echte Gemeindesaal als idealer Dernièrenort

Die Produktion bringt knapp 20 Menschen auf die Bühne. Das ist für den Samedner Gemeindesaal das obere Limit. Aber genau das macht den Abend auch besonders: Die Enge, die Nähe zu den Akteuren, das Gefühl, mittendrin zu sein.

Technisch ist die Dernière in Samedan eine besondere Herausforderung. Ein Stadttheater hat Schnürboden, Lichtbrücken, Platz. Ein Gemeindesaal hat Charme, aber auch bühnentechnische Grenzen. Seit Januar dieses Jahres arbeiten Lorenzo Polin und Bühnenbildner Duri Bischoff vom Stadttheater Chur, sowie Lichtdesigner Roger Stieger daran, wie das Stück im Samedner Gemeindesaal räumlich umgesetzt werden kann.

Das Ergebnis: Vorne ein Tisch für den Gemeindevorstand, hinten ein Vorhang, der sich öffnen lässt – und dahinter ein kleines Podest, eingerichtet wie eine Turnhalle. Der «Gemeindeversammlungs-Groove», wie Lorenzo Polin ihn nennt, soll für alle spürbar sein.

Lorenzo Polin: «Einer meiner lässigsten Monologe»

Der Samedner Künstler und Schauspieler ist einer der Darsteller und spricht mit Begeisterung über das Stück. «Ich habe hier einen meiner lässigsten Monologe, sagt Lorenzo Polin und das will was heissen, denn er steht regelmässig auf der Bühne. «Der Dialog ist unfassbar witzig, aber auch tragisch.» Wer am 26. September dabei ist, erlebt Theater, das man so schnell nicht vergisst. Und vielleicht schaut man bei der nächsten echten Gemeindeversammlung etwas anders in die Runde. Denn «Die Gemeindeversammlung» stellt auf humorvolle Weise Fragen, die universell sind:

Was hält eine Gemeinschaft zusammen?
Was passiert, wenn Interessen aufeinanderprallen?
Und wer sitzt eigentlich am Vorstandstisch – und warum?

Eine rein fiktive Dokumentation

«Die Gemeindeversammlung» ist eine Koproduktion von Ressort K., dem Theater Chur, dem Theater Schaffhausen und DRAUFF producziuns um Lorenzo Polin. Was die vier Partner verbindet, ist die Lust an einem Theater, das nah am Alltag der Menschen spielt, und diesen gleichzeitig auf den Kopf stellt.

Wer die Produktion «Das Gelbe des Eis» des Vorjahres kennt, wird eine gewisse Verwandtschaft spüren. «Das Gelbe des Eis» basierte auf Originalprotokollen echter Gemeindeversammlungen und verwendete den originalen Wortlaut aus diesen Dokumenten. «Die Gemeindeversammlung» schlägt einen anderen Weg ein. Inspiriert von «Das Gelbe des Eis», aber nicht dokumentarisch. Alles ist frei erfunden, die Figuren, die Handlung, der Ort.

Was bleibt, ist das Grundgefühl: Diese eigentümliche Mischung aus Bürgerlichkeit, Pathos und dem stillen Wahnsinn, der manchmal durch gut besuchte Dorfhallen weht.

Dernière «Die Gemeindeversammlung»
Freitag, 26. September 2026 | Gemeindesaal Samedan

Koproduktion von Theater Chur, Theater Schaffhausen, Ressort K. und DRAUFF producziuns.

Daten & Fakten

  • Titel: Die Gemeindeversammlung
  • Genre: Fiktives Theaterstück – absurd, komisch, tragisch
  • Spielort Dernière: Gemeindesaal Samedan, 26. September, 19:30 Uhr
  • Bisherige Vorstellungen: 3× Stadttheater Chur (ausverkauft), 1× Theater Schaffhausen
  • Darsteller:innen auf der Bühne: rund 20 Personen
  • Fiktiver Spielort: Oberflüeli (erfundenes Schweizer Dorf)
  • Zentraler Konflikt: Dorfgemeinschaft – Fluch oder Segen?
  • Publikumsbeteiligung: passiv
  • Aufbau Bühnenbild: 25. September (Tag vor der Dernière)
  • Bühnenbildner: Duri Bischoff, Stadttheater Chur
  • Technik: Roger Stieger

Über die Autorin

Liwia Weible

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