Der Samedner Schützenverein respektive «Societed da tregants Samedan» blickt in diesem Jahr auf zwei Jahrhunderte Vereinsgeschichte zurück. Ein Jubiläum, zu dem es fast nicht gekommen wäre.
Die ersten beiden Schiesshütten haben sich dort befunden, wo heute die katholische Kirche steht. Auf dem Hügel schoss man damals über das Tal hinaus Richtung Sur San Peter auf eine gegenüberliegende Scheibe, die rund 280 Meter entfernt war, mit einer Höhendifferenz von etwa 50 Metern. Als die Gemeinde das Land verkaufte, errichtete im Jahr 1906 der Schützenverein seinen heutigen Standort auf Muntarütsch. Die gesamte Schiessanlage wurde im Jahr 1976 vollständig erneuert.
In 200 Jahren Vereinsgeschichte hat der heute rund 80 Mitglieder zählende Verein zwei Weltkriege überstanden, es entstanden vier Schiessstände und er hat sich trotz traditioneller Ausrichtung digitalisiert.
Vom Schwarzpulver zum Laserscore
Was früher mit dem Schiessen auf 300 Meter mit der Langwaffe als einzige Disziplin begann, ist heute ein breites Angebot verschiedenster Schiesssportarten. Im Laufe der Jahrzehnte kamen Pistolenschiessen, Kleinkaliber und Luftgewehr dazu. Letzteres basiert, wie Präsident Gian Cla Feuerstein erklärt, auf einer eigenständigen Technik. «Für ein Luftgewehr sind weder Schwarzpulver noch Patronen nötig. Stattdessen wird die Kugel mit Druckluft bewegt, was das Schiessen vollständig wetterunabhängig und in einer geschlossenen Halle möglich macht.»
Die jüngste Entwicklung ist das Laserscore-Schiessen. Dabei gibt es kein Projektil, sondern das Gewehr ist mit einer Lasereinrichtung ausgestattet, die rein digital auswertet, wo der Schuss landen würde. Das Resultat erscheint direkt in einer App. «Diese Disziplin ist absolut ungefährlich und daher praktisch für jedes Alter und Level geeignet, insbesondere für Trainingszwecke zu Hause», sagt Gian Cla Feuerstein.

Präsident Gian Cla Feuerstein
Zwei grössere technische Modernisierungen haben die Anlage auf Muntarütsch besonders geprägt: 1985 wurde der 300-Meter-Bereich mit einer elektronischen Trefferanzeige ausgestattet. Zuvor hielten Menschen, die sogenannten «Zeigerkellen», im Scheibenstock farbige Tafeln hoch, um den Schützen das Resultat anzuzeigen. 2010 folgte noch eine elektronische Anlage im Luftgewehr- und Luftpistolenbereich. «Die Kosten für eine moderne Schiessanlage könnten nie über normale Vereinseinnahmen gedeckt werden», erklärt Präsident Gian Cla Feuerstein. «Unsere Investitionen werden hauptsächlich über den Restaurantbetrieb und die Zeltvermietung finanziert. Grosse Investitionen in neue Schiessanlagen bedürfen zusätzlich der Unterstützung durch die Gemeinde und den Schiessverband sowie von Sponsoren.»
Körper und Kopf konzentriert
Was fasziniert einen Menschen am Schiesssport? Für Gian Cla Feuerstein ist dies ganz klar: «Die nötige Kombination aus körperlicher und mentaler Stärke. Insbesondere die mentale Stärke ist heutzutage enorm wichtig.» Die Fokussierung, die er hier gelernt hat, sagt er, habe ihm auch im Alltag geholfen. Vor allem bei Prüfungen und im Beruf, aber auch in anderen Situationen im Leben.
Der Vereinspräsident schiesst seit seiner Sekundarschulzeit, seine persönliche Lieblingsdisziplin ist das 10-Meter-Luftgewehrschiessen. Er ist nicht der Einzige, der mit dem Verein aufgewachsen ist. 1978 sei mit Moritz Minder sogar ein Weltmeister und Weltrekordhalter hervorgegangen. Doch auch neue Mitglieder schätzen die herzliche Atmosphäre. Barbara Infanger aus Susch etwa ist erst seit letztem Jahr aktives Mitglied. «Der Verein ist wirklich inklusiv», sagt sie. Als Autistin sei sie nicht in jedem Verein willkommen gewesen. Hier fühlt sie sich aufgenommen.
Barbara Ifanger aus Susch
Verein unter Druck
«Es wäre nicht ehrlich, die teils grossen Herausforderungen zu verschweigen», sagt Gian Cla Feuerstein offen. Der Verein konnte vor zwei Jahren gerade noch vor dem Aus gerettet werden. Die Mitgliederzahlen seien überschaubar, die aktive Schützenschaft im Schnitt älter geworden, und einige Disziplinen hätten heute kaum noch aktive Teilnehmer. Die Zukunft? Die ist offen. Der Präsident denkt laut über neue, flexiblere Formen nach, die vor allem auch jüngere Menschen ansprechen sollten. Etwas ohne grosse Verpflichtungen müsste es sein, denn eigentlich liege der Schiesssport ja weltweit stark im Trend. Eine Antwort hat er aber noch nicht.
Und doch: Das Jubiläumsfest am 8. August wird ausgelassen bei Musik, Speis und Trank gefeiert. Mit einem Tag der offenen Tür, an dem alle Schiess-Disziplinen – inklusive einer Laserscore-Anlage – von Jung und Alt ausprobiert werden können. Der Gemeindepräsident habe sich für eine Gastrede angemeldet, Spenden für den grossen Tag seien von verschiedenen Seiten geflossen. «Für mich ein Zeichen, dass der Schützenverein tief im Dorf verwurzelt ist, dafür bin ich dankbar», sagt Gian Cla Feuerstein.
Kontakt: schuetzen-samedan.ch | gc.feuerstein@bluewin.ch













