Lange war es Alltag: Hochschwangere, die sich an der Spitalmauer abstützen mussten oder Seniorinnen und Senioren, die nach ihrer Operation ans Zimmer gefesselt blieben, weil der Weg zu den nächsten Bänken zu weit war. Das ist seit Anfang Juni 2026 vorbei.
Rund um das Spital Oberengadin, auf dem Gelände der Academia Engiadina sowie in Surpunt und am unteren Spazierweg zwischen Samedan und Bever stehen nun neue Pausen-Bänkli.
Nicht dass es mit über 70 von der Gemeinde unterhaltenen und diversen privat betreuten Bänken zu wenig Sitzgelegenheiten in Samedan gegeben hätte, jedoch: Für mobilitätseingeschränkte Menschen können manchmal 200 Meter zusätzlich schon viel sein. Und dennoch möchten auch sie sich im Freien bewegen, frische Luft schnappen und vor allem besonders sehenswerte Orte in der Umgebung geniessen können.
Die Gemeinde Samedan lässt sich nicht lange bitten
Kurzerhand lädt die Pro Senectute Graubünden alle Beteiligten an einen Tisch. Die Gemeinde übernimmt die Aufstellung und den Unterhalt von zwei Bänken. Gerade der Aufwand für den Unterhalt wird oft unterschätzt. Denn der Platz ums Bänkli muss regelmässig gemäht werden und lange, schneereiche Winter, erfordern ebenfalls einen verlässlichen Unterhalt – nur dann bleiben die Bänke auch ganzjährig nutzbar. Alle Standorte wurden so gewählt, dass sie an heissen Tagen Schatten spenden, im Sommer gut gepflegt und im Winter mit wenig Aufwand vom Schnee befreit werden können.
Nun haben sich ideale Standorte für die Bänke gefunden. Allesamt gut erreichbar für mobil eingeschränkte Menschen und so gelegen, dass sie die Verbindung zu den bestehenden Spazierrouten entlang des Inn und hoch zum Vita-Parcours herstellen. Auch der Zugang ins Dorf rückt für weniger fitte Personen damit endlich in Reichweite.
Von der schönen Idee – die initiiert wurde von Eva Kaltenbrunner, der Leiterin des Psychatrie-Zentrums – profitieren Patientinnen und Patienten des Spitals, des Psychiatrie-Zentrums Engadin / Südbünden sowie Bewohnerinnen und Bewohner der geschützten Werkstatt MOVIMENTO. Und natürlich die gesamte Bevölkerung, denn die Bänke sind für alle zugänglich.
Ein Schmuckstück kehrt zurück
Das Projekt hat nebenbei noch ein weiteres Highlight hervorgebracht. Der kleine Park vor dem Spital und dem MOVIMENTO, der während des Spitalumbaus in einen Parkplatz umgewandelt worden war, wird wieder das, was er ursprünglich sein sollte: ein grüner Erholungsraum. Die Projektgruppe unter der Leitung der Pro Senectute Graubünden konnte die SGO als Grundbesitzerin davon überzeugen, die Parkplätze im kleinen Wäldchen zurückzubauen, die Grünfläche wiederherzustellen und sie mit Bänken zu erschliessen. Ein Gewinn für alle.
Gemeinsam stark, die Projektbeteiligten
- Pro Senectute Graubünden – Projektleitung durch Othmar Lässer und Christine Bärfuss
- PDGR / Psychiatrie-Zentrum Engadin/Südbünden – Initiative und treibende Kraft hinter dem Projekt, vertreten durch Eva Kaltenbrunner
- MOVIMENTO – Geschäftsleiterin Karin Hänni und ein Bewohner in der Projektgruppe
- Gemeinde Samedan – Standort und Unterhalt von zwei Bänken
- Academia Engiadina – Standort und Unterhalt von zwei Bänken
- SGO (Spital Oberengadin) – Standort und Unterhalt von zwei Bänken sowie Rückbau des Spitalparks
- Forstamt Samedan-Pontresina – Herstellung der Bänke zu einem Vorzugspreis
- Hatt-Bucher-Stiftung – Finanzierung des Projekts
- PDGR – Beitrag an die Bänkli-Produktion
Ein Dankeschön gilt auch den betroffenen Patientinnen, Patienten und Bewohnerinnen, die ihre persönlichen Erfahrungen in die Projektgruppe eingebracht haben – denn sie haben massgeblich dazu beigetragen, dass die Lösung für alle so gut passt.
Die Gemeinde stellt und unterhält zwei der sechs neuen Bänke – eine in Surpunt und eine am unteren Spazierweg zwischen Samedan und Bever. Damit sind es für die Gemeinde Samedan die Bänkli Nr. 71 und Nr. 72.






