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Ein gemeinsamer Schulverband für die Oberstufe – ein klares Ja der involvierten Gemeindevorstände

Das Areal der Academia Engiadina wurde als idealer Standort für eine gemeinsame Oberstufe identifiziert.

Aktuell bestehen in der Region Maloja fünf Oberstufenschulhäuser: Stampa, St. Moritz, Pontresina, Samedan und Zuoz. Aufgrund der demografischen Entwicklungen in der Region haben die Gemeinden von Sils bis Bever in den vergangenen Monaten Grundlagen ausgearbeitet für die allfällige Gründung eines gemeinsamen Schulverbandes. Nun liegt der Schlussbericht vor und wir liefern euch hier eine Übersicht über die Schlüsse.


Grundsätzlich kommen die Gemeindevorstände der Gemeinden Sils i.E./Segl, Silvaplana, St. Moritz, Celerina, Pontresina, Samedan und Bever zum Schluss, dass die Bildung eines Oberstufen-Schulverbands mit gemeinsamem Standort viele Verbesserungen, Vorteile und Chancen bringen wird.

Im Schlussbericht schreiben die Gemeinden, dass die Bildung eines gemeinsamen Oberstufen-Schulverbands weit mehr sei als eine organisatorische oder finanzielle Optimierung, sondern ein zukunftsgerichteter Schritt, der das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stelle.

Eine gemeinsame Oberstufe biete einen Ort, an dem Kinder unabhängig von ihrer Herkunftsgemeinde auf Augenhöhe lernen, Freundschaften knüpfen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickeln können. Die heutige Struktur mit mehreren, teils sehr kleinen Standorten, stösst zunehmend an ihre pädagogischen, personellen und finanziellen Grenzen. Lehrermangel, ungleiche Klassengrössen, eingeschränkte Angebotsvielfalt und hohe organisatorische Aufwände führen dazu, dass vielerorts nicht mehr das Kind im Zentrum der schulischen Planung steht, sondern strukturelle Sachzwänge.

Die Vorstände sind darum der Ansicht, dass eine Bündelung der Kräfte Sinn macht, statt dass jede Gemeinde für sich versucht, den Herausforderungen von Demografie, Fachkräftemangel und zunehmenden Bildungsvielfalt zu begegnen. Die Gemeinden möchten nicht nur eine funktionierende Schule bieten, sondern ein Ort, an dem die Kinder mit Freude lernen, wachsen und sich als Teil einer starken, offenen und zukunftsfähigen Region fühlen können.


Die grosse Frage war die Standortfrage

Aktuell gehen die Schülerinnen und Schüler der sieben Gemeinden von Sils bis Bever in drei Oberstufen: nach St. Moritz, Pontresina oder Samedan. Zukünftig sollen alle in einem gemeinsamen Oberstufenschulhaus unterrichtet werden. Zur Standortfrage wurden diverse Studien durchgeführt, dabei wurden sowohl Standorte in Samedan und St. Moritz einander gegenübergestellt, sowie verschiedene Standorte in Samedan geprüft. Dabei kam man zum Schluss, dass der ideale Standort die Academia Engiadina in Samedan ist.

Ein gemeinsames Oberstufenschulhaus auf dem Areal der Academia Engiadina bietet die folgenden Vorteile: Die Lage in Bahnhofsnähe, die Synergien für den Schulbetrieb mit den bestehenden Nutzungen auf dem Areal und der Umgebungen, mögliche Synergien im Bereich Verpflegung und Reserven im Bestand. Bevorzugt wird aktuell auch von den Verantwortlichen der Academia Engiadina ein Erneuerungs- und Erweiterungsbau oder ein Neubau der Chesa Clera.

Was die Erreichbarkeit anbelangt, bietet Samedan ebenfalls Vorteile, da Samedan sehr gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Dazu gehören auch die Erhöhung der Frequenzen von Engadin Bus und die geplanten regelmässigen Verbindungen in der Zwischensaison. Denkbar sei allerdings auch die Einführung eines Schulbusses, so die Gemeindevorstände im Schlussbericht.


Die Vorteile im Überblick

  • Optimale Lernbedingungen für alle Kinder: Ausgewogene Klassengrössen führen zu mehr Ruhe, gezielter Förderung und einem gesunden sozialen Umfeld. Auch bei sinkenden Schülerzahlen bleibt die Qualität erhalten, da stabile Klassen möglich sind.
  • Individuelle Förderung und vielfältige Angebote: Ein Schulverband kann zusätzliche pädagogische Ressourcen einsetzen, etwa für schulische Heilpädagogik, Begabtenförderung oder Time-out-Angebote.
  • Eine grössere Schule ermöglicht ein attraktives und breites Freifachangebot: Freifächer können nur dann in einem vernünftigen Rahmen angeboten werden, wenn sinnvolle Klassengrössen zustande kommen und sind heute nicht nur ein finanzielles Thema, sondern auch eines der Nachfrage.
  • Stärkung der pädagogischen Qualität: Mit grösseren Teams können neue, innovative Unterrichtsformen, wie Lernlandschaften, Teamteaching oder fächerübergreifendes Arbeiten eingeführt und laufend weiterentwickelt werden.
  • Zweisprachigkeit als Chance: Ein gemeinsamer Schulverband schafft die Grundlage für eine zweisprachige Oberstufe, was insbesondere den Kindern von Sils und Silvaplana zugutekommen würde.
  • Stabile Bezugspersonen und individuelle Betreuung: Durch die organisatorische Zusammenführung entstehen verlässliche Strukturen mit konstanten Ansprechpersonen. Tagesstrukturen, Mittagstisch und Schulsozialarbeit müssten nicht an drei, sondern könnten an einem einzigen Standort, mit erheblichem Synergiepotenzial etabliert werden.
  • Attraktivität für engagierte Lehrpersonen: Eine grössere Schule bietet flexiblere Einsatzmöglichkeiten für Lehrpersonen, was die Unterrichtsqualität direkt beeinflusst. Gleichzeitig stärkt der Verband die Ausfallsicherheit durch Vertretungslösungen und ermöglicht engagierten Lehrkräften, ihre Stärken einzubringen.
  • Zukunftsfähige Infrastruktur: Da in alle drei Oberstufen-Schulhäuser Investitionen anstehen, ergibt ein gemeinsamer Standort finanzielle Vorteile, da Investitionen gemeinsam getätigt werden können.
  • Effizienter Einsatz von Ressourcen: Ein zentraler Schulstandort vereinfacht Abläufe, reduziert Doppelspurigkeiten und schafft Synergien bei Leitung, Administration und digitalen Tools. Die dadurch freiwerdenden Mittel kommen direkt den Kindern zugute.
  • Stärkere regionale Zusammenarbeit: Der Verband fördert das gegenseitige Verständnis der Gemeinden und stärkt den Bildungsraum Oberengadin – gemeinsam, vernetzt und zukunftsgerichtet.

Die Nachteile und Risiken im Überblick
  • Schulweg: Der Schulweg wird für viele Kinder länger als bisher und die räumliche Distanz zum Wohnort oder zur Familie kann für einige Kinder eine Herausforderung darstellen.
  • Verlust des Bezugs zur eigenen Schule: Eine zentrale Schule ersetzt lokale Strukturen, was zu einem Gefühl der Entfremdung führen kann – besonders in Gemeinden, die bisher eine eigene Oberstufe geführt haben.
  • Unsicherheiten bezüglich der Zuständigkeiten: Die Neuorganisation kann zu Unsicherheiten darüber führen, wer für was zuständig ist (Gemeinden, Verband, Schulleitung).
  • Wenig Ausweichmöglichkeiten bei infrastrukturellen oder organisatorischen Problemen: Eine starke Konzentration an einem Ort birgt das Risiko bei z.B. Bauverzögerungen oder technischen Störungen wenig Ausweichmöglichkeiten zu haben.

Wie weiter

Bevor alle involvierten Gemeinden über das weitere Vorgehen entscheiden können, wird in St. Moritz am 30. November 2025 über die Initiative «Die Schule bleibt in St. Moritz» abgestimmt. Der Gemeindevorstand unterbreitet den Stimmberechtigen dabei einen Gegenvorschlag, der lediglich Kindergarten und Primarschule im Dorf behalten möchte, die Oberstufe jedoch davon ausnimmt.

Die Gemeindevorstände von Sils und Silvaplana haben sich dafür ausgesprochen, dass sie auch dann an einem gemeinsamen Schulverband mit Standort Samedan interessiert sind, sollte St. Moritz die Initiative annehmen und nicht mehr Teil des Projekts sein. Beide Gemeinden möchten eine zweisprachige Oberstufe, weil dann auch eine zweisprachige Primarschule möglich wird. Ebenso wollen die anderen involvierten Gemeindevorstände am Projekt weiterarbeiten, sollte St. Moritz nach der Abstimmung nicht mehr involviert sein.