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Sanierung der Quelle Proschimun: «Wir bauen für die nächste Generation»

Hoch über Samedan im August: Bagger rotieren, Rohre und Leitungen ragen aus dem Boden, Bretter und Elektrogeräte werden hin- und hergereicht, Bau- und Gemeindearbeiter schwitzen in der Sommerhitze. Was passiert da oben? Eine der wichtigsten Quellen von Samedan wird nach 42 Jahren Betrieb saniert.

Sanierung der Quelle Proschimun im August 2025

Fast den ganzen August über wird die Quelle Proschimun saniert. Stück für Stück entsteht ein neues, zeitgemässes Quellgebäude. In diesem soll das Wasser in Zukunft sicherer gefasst, gebremst und von grobem Material gefiltert werden. Moderne Messanzeigen zeigen den Verantwortlichen dann jederzeit, wie viel Wasser aus der Quelle fliesst.

Auch wenn nach August von der hochgelegenen Baustelle nur noch eine unscheinbare Tür von aussen sichtbar sein wird, so ist das Bauprojekt doch von grosser Bedeutung. «Die Sanierung der Quelle Proschimun ist sorgfältig durchdacht und durchaus aufwändig, denn Fakt ist: wir bauen hier für die nächste Generation», sagt Bauamtsleiter Daniel Freitag. «Es gibt auch Bestrebungen, die Wasserrohre gegen breitere zu tauschen, um künftig noch mehr aus der Quelle zu gewinnen», so der erfahrene Gemeindemitarbeiter.

Ein modernes und sicheres Quellgebäude nach über 40 Jahren Betrieb

Die alte Quellfassung – zwei runde Behälter aus Beton – werden im Zuge der Arbeiten abgerissen. Denn um diese zu reinigen oder zu kontrollieren, mussten die Gemeindearbeiter bisher einen schweren Deckel nach oben öffnen und ganz hineinsteigen. «Ein gefährliches Unterfangen, doch so hat man damals gebaut», sagt Daniel Freitag und ergänzt: «Nach über 40 Jahren Betrieb kommt nun ein sicheres und leichter begehbares Quellgebäude her.»

Trotz Sanierungsfälligkeit, die Arbeiten verlangen Fingerspitzengefühl: Wird zu grob vorgegangen, könnte die Quelle versiegen. Dabei spielt Proschimun für die Wasserversorgung eine wichtige Rolle. Zwar liefert die Quelle Val Champagna mit rund 75 Prozent den Löwenanteil, doch auch Proschimun trägt wesentlich dazu bei, dass Samedan täglich mit rund 1,7 Millionen Litern Trinkwasser versorgt wird. Von hier aus wird nicht nur das Dorf versorgt, sondern auch das Naturfreundehaus Cristolais, das Alpgebäude Alpin dals Bouvs sowie Brunnen für die Landwirtschaft.

600 bis 800 Liter Wasser pro Minute

Während der fast 4-wöchigen Bauphase rauschte mehrere Tage lang sehr viel Wasser ungenutzt in die Natur. Verworfenes Wasser, wie es im Fachjargon heisst. Ganze 600 bis 800 Liter pro Minute sprudeln laufend aus der Quelle Proschimun. Wasser, das sonst in das 21 Kilometer lange Samedner Leitungsnetz geleitet worden wäre. Der Gemeinde tut es nicht weh, denn mit den Reservoirs San Peter und Selvas Plaunas mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 1,94 Millionen Litern ist sie rund um die Uhr bestens versorgt.

«Mit dem Wasser haben wir tatsächlich Glück. Es gäbe sogar noch mehr Quellen in und um Samedan», sagt Daniel Freitag, «doch in Siedlungsgebieten dürfen wir diese nicht nutzen – zu hoch wäre das Risiko einer Verunreinigung.»

Schon jetzt fliesst die Quelle Proschimun wieder zuverlässig in unser Wassernetz. Von aussen sichtbar bleibt bald nur noch eine einfache Tür hoch am Hang. Doch wer weiss, dass hier unterirdisch ein beneidenswertes Stück Lebensqualität gesichert wird, sieht die unscheinbare Tür vielleicht künftig mit anderen Augen.

Im Video zeigt Bauamtsleiter Daniel Freitag, wie bei der Sanierung der Quelle Proschimun vorgegangen wird

Bildbeschreibungen (von links nach rechts):
Bild 1: So sah die Quellfassung vorher aus von aussen / Bild 2: Die alten Betonbehälter mussten früher bestiegen werden, um gewartet zu werden / Bild 3: Einer der (alten) Quellwasserbehälter ausgegraben / Bilder 4–6: Die quirlige Baustelle im August / Bild 7: Die vielleicht schönste Baustellenaussicht der Alpen? / Bilder 8+9: Der neue, begehbare Quellwasserbehälter von innen und aussen.

Mehr zur Wasserinfrastruktur von Samedan findet ihr hier: Wasserwunder Samedan: Wie ausgeklügelt unsere Versorgung gesichert wird