Events Inside Samedan

«Jeder darf zahlen, was er möchte» – Der Büchermarkt hat für alle Budgets und Geschmäcker was zu bieten

Claudia Niggli, Catharina Rühl und Ruth Bezzola (v. links nach rechts) kümmern sich seit 20 Jahren um den Büchermarkt in Samedan.
Claudia Niggli, Catharina Rühl und Ruth Bezzola (v. links nach rechts) organisieren seit 20 Jahren den Büchermarkt in Samedan.

Hervorragend erhaltene Bücher, die man behalten darf – ein wahr gewordener Traum für Bücherfreunde. Alle, die wissen, was Bücher heute neu kosten und lesen lieben, sollten den Samedner Büchermarkt auf keinen Fall verpassen. Er findet zwei Mal im Jahr statt – kurz vor den Maiferien sowie am 31. Juli und 1. August während des Dorffestes. Der Markt vor den Maiferien ist etwas kleiner als der im Sommer. Er wurde erst einige Jahre nach dem Sommermarkt ins Leben gerufen, mit dem Gedanken, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner mit passender Lektüre für die Ferienzeit eindecken könnten.

«Ach, zu uns kommen wirklich alle, die gerne lesen – von Senioren über Familien und Junge. Dann hat es noch die Tauschenden, die ihre Bücher zurückbringen und dafür andere wieder mitnehmen. Und im Sommer kommen noch viele Touristen dazu», sagt Claudia Niggli, die den Anlass seit dem Jahr 2001 organisiert.

Nicht zuletzt lockt der Büchermarkt sogar mit selbst gebackenem Kuchen und allein der ist schon einen Besuch wert. Man hat hier gleich nochmal – wie bei den Büchern – die süsse Qual der Wahl.

Hunderte von Büchern aus allen Sparten im Gemeindehaus

Der Büchermarkt ist ein idealer Anlass für alle, die es geniessen, ausgiebig und nach Herzenslust in Büchern und zahllosen Kisten zu stöbern, ohne auf die Uhr zu schauen. Denn im Gemeindesaal erwarten die Besuchenden Hunderte von Büchern aller Sparten – gestapelt auf rund 25 Tischen mit jeweils 9 vollen Bananenkisten. Von Krimis über Sach- und Fachbücher bis hin zu Romanen. Und sogar einigen Film-DVDs. All das überwiegend in deutscher Sprache, aber auch englische, italienische und romanische Titel kommen vor.

Feste Preise für die Bücher gibt es inzwischen nicht mehr. Bezahlt wird so viel, wie es einem persönlich wert ist. «Früher haben wir die Preise festgelegt», sagt Claudia Niggli, «doch es wurde immer wieder gefeilscht, vor allem bei mehreren Büchern. So haben wir dann gefunden: Alle dürfen einfach zahlen, was sie möchten.»

Das klappe nun viel besser. Der Anlass bringe immer eine schöne Summe zusammen und das Geld kommt komplett dem Turnverein Samedan zugute. «Von den Einnahmen unterstützen wir die Jugend im Turnverein oder es gibt mal einen schönen Ausflug zusammen», sagt Claudia Niggli.

Seit 1991 bis 2024 – der Büchermarkt ist aus Samedan nicht mehr wegzudenken

Doch wo kommen die ganzen Bücher eigentlich her? «Die kriegen wir als Spende. Zum Teil sind es aussortierte Bücher von der Bibliothek oder auch von Umzügen. Mittlerweile wissen fast alle, dass wir Bücher nehmen. Brocki und Bibliothek verweisen auch auf uns, wenn jemand welche abgeben will», so Claudia Niggli.

Ursprünglich stamme die Idee von Uschi Arnet. Diese sei auch im Turnverein gewesen und hatte zunächst einen Flohmarkt organisiert – damals im Jahr 1991. Doch sie soll danach viel Mühe gehabt haben, all den zurückgebliebenen Abfall zu entsorgen – von Möbeln über andere schwere und sperrige Dinge, erzählt Claudia Niggli. So habe Uschi Arnet danach entschieden: «Ab jetzt gibt’s nur noch Bücher.» Seit da an hat der Büchermarkt jedes Jahr stattgefunden. Mit kurzer Unterbrechung während der Corona-Pandemie.

Heute trotzt der Büchermarkt trocken und warm im Gemeindehaus Samedan allen Wetterkapriolen – vor allem im Engadiner Frühling ein Segen. Doch das war nicht immer so….

1997 findet der Markt noch im Keller des Gemeindehauses statt (Foto links) / So sah der Büchermarkt in 2001 aus (Foto rechts)

Lagerschwierigkeiten und die rettende Idee

Wo lagert man mehrere Hundert Bücher ein? «Zunächst hatten wir einmal das Lager unter der Chesa Planta, im Keller drunter gehabt. In der Zeit fand der Markt noch draussen statt, aber das war alles etwas mühsam gewesen», so Claudia Niggli.

Die Gemeindeverwaltung erlaubte, ab dem Jahr 1995 die Bücher im Keller des Gemeindehauses einzulagern und ab dem Jahr 1997 den Gemeindesaal für den Anlass zu nutzen. Dies erleichterte die Arbeit sehr. Ab dem Jahr 2001 ging die Einlagerung im Keller des Gemeindehauses nicht mehr. Stattdessen durfte dazu nun der Dachboden des Gemeindehauses genutzt werden.

Kreativität bei der Einlagerung war gefragt, denn nun mussten alle Bücher auf den Dachboden rauf und runter

Doch wie sollten nun Hunderte, ja vielleicht Tausende von Büchern da raufkommen? «Der Lift stand uns damals noch nicht zur Verfügung», erinnert sich Claudia Niggli. «So hatte mein Mann spontan den Einfall, eine Art Seilzug zu bauen, mit dem wir die Bücher mit dem Seil rauf- und runterhieven konnten. Unglaublich, oder? Aber die Idee hat den Büchermarkt in der Zeit gerettet.»

Mittlerweile können alle den Lift im Gemeindehaus benutzen und der Büchermarkt hat sehr viele fleissige Helferinnen und Helfer aus dem Turnverein jedes Jahr. «Die bringen uns die Bücher in Windeseile rauf und runter, wenn Markt ist. So macht das Ganze wieder richtig Spass», strahlt Claudia Niggli und fügt hinzu: “Wir sind der Gemeinde Samedan sehr dankbar, dass sie uns den Büchermarkt Jahr für Jahr ermöglicht.»

Heute erleichtern die vielen Helferinnen und Helfer des Tunvereins Samedan die aufwändige Vorbereitung